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Lebensmittelskandale: Einst und jetzt

Udo Pollmer / Helmer Pardun: Lebensmittelskandale - einst und jetzt – „Wo man früher Skandale vertuscht hat, werden heute Skandale erfunden.“

Radebeul (Helmer Pardun/1.12.2013) - Nach unserer Beobachtung haben sich der Nachrichtenwert von Lebensmittelskandalen und der Brennpunkt der Berichterstattung darüber seit Beginn in den frühen 1980er Jahren bis heute verschoben.

Wurden zu Beginn in den Medien bei Lebensmittelskandalen über Produkte und Produzenten berichtet, versucht man heute das Publikum, die Konsumenten, zu skandalisieren.

Man macht dies, in dem man die Verbraucher mit extra ausgesuchten Informationen in helle Aufregung versetzt, weniger allerdings zum Nutzen des einzelnen Verbrauchers, als für den Cash der vielen Campaigner und Fundraiser, der Kampagnenbetreiber bzw. der Spendensammler in Kreisen der Adressaten.

 Rund 30 Jahre ist es her, seit in Deutschland zum ersten Mal ganz handfest über Lebensmittelskandale berichtet wurde. Das wohl erste Buch zu diesem Thema erschien im Jahr 1982 und stammte aus der Feder der beiden Lebensmittelchemiker und Fachjournalisten Udo Pollmer und Eva Kapfelsperger. Der Titel: "Iss und stirbt. Chemie in unserer Nahrung".

Kurz danach nahmen sich die ersten Massenmedien, wie Rundfunk und Fernsehen des Themas an, wie ein Bericht des SR Saarländischen Rundfunks vom Mai 1982 noch heute nachhören lässt. Es folgten bis heute viele Bücher, Kolumnen, Interviews zum Thema "Lebensmittel - Mißverständnisse, Fehlinterpretationen, Halbwahrheiten". Das bekannteste ist unser Kenntnis nach dasjenige von Udo Pollmer und Susanne Warmuth: "Lexikon der Populären Ernährungsirrtümer".

Ab Ende der 1980er Jahre hatte das Thema "Lebensmittelskandale" auch seinen Weg in die Presse gefunden. Die heute nicht mehr erscheinende Zeitschrift "Chancen. Für Leben Umwelt Technik" brachte zum Jahresende 1987 von Oktober bis Dezember eine dreiteilige Serie: "Aus deutschen Labors frisch auf den Tisch". Urheber und Autor der Serie: Lebensmittelchemiker Udo Pollmer. Untertitel der Serie: "Wie Lebensmittelmittel künstlich gebaut werden und was Verbraucher darüber wissen müssen." Dazu erschien in ziemlichen Umfang zum ersten Mal ein Zusatzstoff-Lexikon mit E-Nummern-Warnliste, Vorläufer und Wegbereiter vieler ähnlicher Zusammenstellung in den darauffolgenden Jahren.

Alles das, insbesondere die ersten Berichte über Lebensmittelskandale, werden in ihrer ursprünglichen Form der Ersterscheinung ab 2014 wiederveröffentlich werden in einer Serie von elektronischen Publikationen aus dem Verlag Helmer Pardun. Der Serientitel der E-Book-Reihe heißt: "Essen.Trinken.Wissen."

Seit 1982 bis heute hat sich die Medienlandschaft ganz gewaltig entwickelt und damit entsprechend gewandelt. Wie sieht das heute mit den "Lebensmittelskandalen" und mit deren Berichterstattung darüber aus. Ist das alles gleich geblieben oder hat sich mit der Medienentwicklung auch die Berichterstattung verändert.

Hat sich an den "Lebensmittelskandalen" und ihrem Erscheinen in der Presse von damals bis heute etwas geändert oder ist da alles beim alten geblieben?

Darüber sprechen wir mit demjenigen, der Anfang der 1980er Jahre eine nachhaltige Welle der kritischen Lebensmittelberichterstattung auslöste, dem Lebensmittelchemiker und Udo Pollmer.

POLLMER: Es hat sich in den letzten 30 Jahren sehr viel geändert. Vor 30 Jahren wurden Lebensmittelskandale von den Redaktionen runtergebügelt mit der Bemerkung: "Wir dürfen den Verbraucher nicht verunsichern." Und ich weiß noch, wie sie sich da auf die Schenkel geschlagen haben über Sachen, wo wir die Dokumente, die Unterlagen, vorgelegt haben und sie gar nicht fassen konnten, was es alles gibt. Aber es ist "bitte nicht für den Verbraucher geeignet".

Um ein einfaches Beispiel zu nehmen, das, was heute als sogenannter Analogkäse diskutiert wird, das war 1982 bereits auf dem Markt, das wurde verkauft. Das war damals völlig unvorstellbar, dass man Käse aus Wasser, aus Pflanzenfett, starkem Emulgator, Abtönfarbe, Aroma, Schmelzsalz, Verdickungsmittel zusammenbauen kann und das dann nachher ausschaut, schmeckt und riecht so ähnlich wie Käse. Da hat man (in den Redaktionen) gesagt: "Um Himmels willen, das können wir nicht bringen, das sollen die Leute gerne essen, aber bringen können wir das nicht."

Das hat sich dann geändert. Dann kam dieser Skandal vor einigen Jahren. War das eine Riesensache und alle haben geglaubt, das sei nun eben aufgedeckt worden. Nein, jetzt hat das (die Berichterstattung darüber) in die Zeit gerade gepasst, um die Menschen damit zu versorgen, um hier einen Skandal loszutreten.

Und daran sieht man den Wechsel: man versucht Skandale heute gezielt politisch zu benutzen, zu benutzen, um die Bevölkerung zu skandalisieren. Häufig mit Dingen, die völlig belanglos sind. Bei echten Skandalen wird häufig nicht mehr darüber berichtet, weil das zu komplex ist in einer schnelllebigen Zeit, weil man das nicht in 1 Minute 30 Sekunden im Fernsehen zeigen kann, eben weil die Zusammenhänge relativ kompliziert sind.

Also geht man her, versucht möglichst einfache Sachen zusammen zu stricken, Pseudoskandale zu nehmen, letztendlich die Dinge zu erfinden, wie im Falle des Acrylamids. Der Mensch ist seit 1 Million Jahren mit dem Feuer zugange, der ist daran angepasst, die Maus eher weniger, die zündelt relativ selten.

Und auf diese Weise haben wir es mit einer Verschiebung zu tun, wo man früher Skandale vertuscht hat, werden heute Skandale erfunden, um die Bevölkerung zu skandalisieren.

PARDUN: Das klingt nicht so, als würde die heutige Berichterstattung zu Lebensmittelskandalen zu mehr Orientierung, mehr Sicherheit oder mehr Nachhaltigkeit für den Verbraucher beitragen - gerade auch was die Folgen solcher Skandalisierungen betrifft, z. B. das Unbehagen, die Furcht oder Angst "gesunde und gut essen" oder sich überhaupt noch "richtig" ernähren zu können. Ergeben sich daraus, oder welche Folgen ergeben sich daraus, für den Verbraucher?

POLLMER: Daraus ergibt sich natürlich die weitere Überlegung, wie kann man diesem ganzen System noch trauen. Und da hilft im Grunde noch das Gleiche, was man in der Wissenschaft, in der Naturwissenschaft auch macht. Man schaut einmal an, wo die Quellen herkommen, ob man das belegen kann - man schaut nach, wo das alles herkommt. Und das ist auch ein bisschen der Grund, sich die alten Skandale, die Abläufe, die damals stattgefunden haben, auch die Riesensauereien, die passiert sind, warum es also ganz nützlich sein kann, sich das noch einmal anzuschauen, wie das damals funktioniert hat.
Denn daraus leitet sich dann das heutige Geschäftsmodell der NGOs, der Nichtregierungsorganisationen ab, die hergehen, Campaigner haben, die dann diese Skandalgeschichten durchziehen, wo sie sich die Dramaturgie schon ganz genau ausgedacht haben, wo am Schluss dann die Spendensammler stehen, die Fundraiser, die versuchen, dann damit die Kassen dieser Organisationen zu füllen
 
Das heißt, früher hat der Lebensmittelsektor Skandale produziert oder Dinge gemacht, die skandalös waren, um Geld zu verdienen. Heute werden diese Skandale quasi erfunden, damit die NGOs ihr Geld verdienen können. Und das jeweils zulasten des Verbrauchers.

Das hat zur Folge, dass heute die Skandale zusammengebaut werden, konstruiert werden, für politische Zwecke, völlig irrelevant ob sie einer sind oder nicht. Da, wo die Probleme sind, da kümmert sich keiner drum, weil das aufzudecken, das ist richtig mit Arbeit verbunden.
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Anmerkung der Redaktion: Weitere Berichte und Gespräche zum Thema finden sich auf unserem YouTube Account => hier.

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